Dienstag, 7. Juni 2016
Mandibelkrampf
Der Mandibelkrampf ereilt die Ameise, wenn sie das Ende eines Grashalms oder auch eine Blüte erreicht hat, jedenfalls eine exponierte Position, die nicht ohne weiteres optimiert werden kann. Exponiert, wofür oder gegenüber wem oder was? Möglichst exponiert, um verspeist zu werden! Wieso, weshalb, warum? Unsere protagonistische Formica hat unvorsichtigerweise von verbotenen Schleimbällchen genascht, und die Strafe folgt auf dem Fuße, quasi biblisch. In diesen scheinbar leckeren Schleimbällchen befanden sich diverse Vertreter eines bestimmten Entwicklungsstadiums des Kleinen Leberegels. Einmal in der Ameise, löst dieser Saugwurm eine unwahrscheinliche Verhaltensänderung der Ameise aus, jedenfalls wenn es sich ins Unterschlundganglion verirrt. Ameisen haben ihren Gehirnvorläufer (ein möglicher Kandidat für das nächste Wort mit Geschichte) unterhalb des für die Nahrungsaufnahme vorgesehenen Organs, was auch auf verschiedene Menschen zutrifft... Wie auch immer, der evolutionäre Zweck des Ganzen ist, als infizierte Ameise gefressen zu werden, damit der Kleine Leberegel seinen Endwirt (ebenfalls ein heißer Kandidat für das nächste Wort mit Geschichte) erreicht. Als Endwirte können Schafe, Ziegen, neugierige Hunde, Rinder, grasende Menschen, Hasen, weitere Nagetiere und Rehe, um nur einige zu nennen, fungieren. Voraussetzung dafür, den Lebenszyklus des Kleinen Leberegels zu vollenden ist, dass diese Endwirte ihren Haufen, ihre Notdurft oder Losung (ha, noch ein Kandidat!) so verrichten, dass diese von den noch nicht erwähnten Zwischenwirten (deren Geschichte ich möglicherweise zusammen mit den Endwirten abhandeln könnte), verschiedenen Schnecken, zu erreichen ist, die die eingangs erwähnten Schleimbällchen ausscheiden. So ist sie, die Natur, manchmal wirklich komplex. Nochmal kurz zurück zu den Menschen mit Gehirnvorläufer: Wer grast und nicht in die Natur kackt, kann als Fehlwirt (da eröffnet sich mir gerade ein ganzes Panoptikum an Wirten) bezeichnet werden, der unwillens ist, des Kleinen Leberegels Lebenszyklus zu vollenden. Denn so ist sie auch, die Natur, Leben ohne Fortpflanzung ist nicht vorgesehen. Ausser von Vertretern mit vorläufiger Gehirn-Endstufe oberhalb des Schlunds.

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